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  • Anna Sansi

Wohnzimmerrevolution

Aktualisiert: März 24


Mein Kopf ist voller Gedanken. Wilder Gedanken, Revoluzergedanken! Sie wollen mich anstiften, mich ein klein wenig gegen meine kleine Welt aufzulehnen. Warum mir nicht einfach bis ans Ende der häuslichen Einsamkeit nicht die Haare waschen? Um zu sehen was passiert? Warum mir nicht selbst die Haare schneiden? So einen richtig wilden Bob? Warum nicht nur noch rückwärts laufen, zum Frühstück auch mal Gulasch essen? Warum trage ich nie Abendkleider, um die Hühner rauszulassen und wer sagt eigentlich, man könne Eier nicht in der Hand zerdrücken? Ich habe es grade einfach ausprobiert. Es ist nicht wahr - vielleicht ist blauer Lidschatten ja auch nicht aus der Mode. Wer hat das eigentlich alles entschieden? Das Ellbogen nicht auf den Tisch gehören und Musik nie laut genug?

Jetzt sind alle zu Haus und niemand trifft Niemanden. Die Zeit ist perfekt um sich neu zu erfinden. Keiner wird ein Urteil fällen, niemand niemand kategorisieren- jeder ist mit sich daheim, kann frisch und frei den Alltag sprengen, mit lauter klitzekleinen Dingen. Mit fettigen Haaren das Spiegelbild bewundern und selbst überlegen wie das ist. Sich ganz in Ruhe dran gewöhnen das Neue rein zulassen. Zu spüren, ob Gulasch sich mit Cafe gut verträgt ist wundervoll, warum Mathe nicht im liegen machen?

Seltsam, wie brav wir uns fügen. Vor lauter Bestreben dazuzugehören, verlieren wir uns selbst und untergraben, was wir vielleicht hätten, an neuen Ideen und Impulsen für die Welt. Ein Teil wollen wir sein von etwas, warum nicht auch von uns? Stattdessen stellen wir vieles da tief drinnen, aufs Abstellgleis. Das alles fehlt!

Ich gebe zu, fettige Haare und Mittagessen zum Frühstück, sind jetzt keine neuen Impulse, auf die die Welt gewartet hat, aber wir sind so was von aus der Übung, das es am Ende dennoch hilft. Denn neue Gedanken zu denken ist gar nicht mal so leicht. Die Immer-gleichen sind einem immer auf den Fersen und der Alltag gibt den Rest. Vielleicht bringen all die vielen kleinen, ungezähmten Gedanken, zu guter letzt viel Neues in die Welt.

Wenn wir uns nicht nur fragen, wie ist es, mit selbst geschnittenem Bob beim rückwärts laufen, sondern wie wäre eine Schule die die Kinder feiern, wie Menschen, die wissen was sie wirklich brauchen und Freude in der Luft, die für 10 Millionen reicht? Was wäre, wenn wir die ersten wären, die ins Wohnzimmer verbannt eine Revolution der Gesellschaft starten? Ganz friedlich und so gänzlich ohne Waffen? Was wäre, wenn alle sich was überlegen und wir uns dann bald wiedersehen. Vielleicht mit blauem Lidschatten auf den Augen, weil es uns einfach gut gefällt und niemand das belächelt, sondern sich aufs Andere freut.







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